Dolby Atmos

Dolby hat durch die Zusammenarbeit mit Apple Music nun auch in die Musikwelt Einzug erhalten, damit haben wir ein sehr modernes, immersives Format im massentauglichen Streaming-Sektor. Gerne unterstützen wir euch auf eurem Weg zum Atmos Master. Für eure Projekte gibt es verschiedene Szenarien, wenn ihr dieses Format bedienen wollt.  

Szenario 1: Anlieferung ADM BWF 

Bei Anlieferung einer ADM BWF kodierten Mischung, können wir fürs Mastering die Objekte und Beds inklusive aller ihrer Positionierungsdaten importieren und in einer Art Stemmastering mit anschließender Atmos-Kodierung fertig machen für das Streaming bei Apple. Der Vorteil dieser Arbeitsweise ist, dass ihr weiterhin über alle Positionsentscheidungen in eurer Musik die Kontrolle behaltet und schon in der Konzeptionierung sinnvoll zwischen Beds und Objekten wählen könnt. 

Szenario 2: Anlieferung Stems 

Hier würdet ihr für alle Gruppen/Instrumente/Objekte, die später unterschiedlich positioniert werden sollen, einzelne Stems anliefern und sofern ihr das schon im Kopf habt eine kleine Skizze oder Beschreibung, welches Instrument wo positioniert werden soll und ob ggf. Bewegungen stattfinden sollen. Es ist sinnvoll, diese Positionierungsoptionen schon während der gesamten Produktion im Hinterkopf zu haben, damit keine Ungleichgewichte auftauchen. Gerne beraten wir euch diesbezüglich, sollten Unsicherheiten bestehen oder uns Auffälligkeiten während des Masterings begegnen. 

Szenario 3: ihr habt nur ein Stereo 

Wenn ihr die gesamte Produktion in Stereo gefahren habt, aber von der lossless Auslieferung über Apple profitieren wollt, ist es durchaus auch möglich diese Musik als Stereo-Bed in ein Atmos-Master zu integrieren. Dabei nutzt man dieses Format allerdings nicht voll aus. Es wäre auch denkbar einen „Upmix“, wie es auch bei anderen Surround-Formaten möglich war zu machen, allerdings sind die Ergebnisse schwer vorhersehbar und mit Sicherheit nicht mit den Szenarien 1 und 2 vergleichbar.  

Dynamikbearbeitung im Mastering – Teil 2: Der Kompressor

Funktionsweise

Der Kompressor ist das Standardwerkzeug zur Dynamikbearbeitung. Dabei ermittelt ein Hüllkurvendetektor aus dem Eingangssignal eine Steuerspannung, die wiederum mittels eines Verstärkers das Ausgangssignal regelt. Der Pegel des Eingangssignals wird nach dem Überschreiten des Threshold im Verhältnis der eingestellten Ratio reduziert, kann dann aber mit dem Makeup-Gain wieder angehoben werden. Erreicht wird damit, dass die leiseren Signalanteile am Ausgang lauter ausgegeben werden, der gesamte Dynamikumfang wird somit verringert. Die Zeitkonstanten bestimmen die Ansprechgeschwindigkeit. Der Einsatzzeitpunkt für das Release kann bei manchen Kompressoren um die Hold-Time verlängert werden. Die eingestellte Kompression wird also auch nach dem Unterschreiten des Thresholds noch für eine bestimmte Zeit beibehalten.

Eine Besonderheit bei manchen Kompressoren ist die Soft-Knee-Charakteristik, die für ein sanfteres Ansprechen sorgt. Hierbei setzt die Kompression nicht erst beim Überschreiten des Thresholds ein, sondern in der Regel schon etwas früher, dafür aber nicht mit dem vollen eingestellten Ratio-Wert. Die Kennlinie der Kompression ist dann um den Threshold herum nicht hart abgeknickt, sondern verläuft in einer sanften Kurve. Die Regelvorgänge werden damit sanfter abgefangen, das Ergebnis klingt organischer.

Verhalten des Ausgangspegels in Relation zum Eingangspegel über die Zeit.

Kompressorschaltungen

Bauartbedingt hat jede analoge Kompressorschaltung unterschiedliche klangliche Eigenschaften, die auch digital entsprechend nachgebildet werden können. Die wesentlichen Unterschiede betreffen meist die Verstärkerschaltung, aber auch die Ansteuerung. Man unterscheidet hierbei folgende Typen:

VCA-Kompressor: ein spannungsgesteuerter Verstärker (VCA = voltage controlled amplifier) regelt die Bearbeitung. Klanglich ist dieser Typ eher neutral. Beispiel: SSL-Buscompressor, dbx 160A.

FET-Kompressor: Regelelement ist ein Feldeffekt-Transistor, mit dem sehr schnelle Regelvorgänge möglich sind. Oft wird der Threshold über den Eingangspegel eingestellt. Der FET-Kompressor besitzt meist stärker färbende Klangeigenschaften. Beispiel: Urei 1176, Drawmer 1974.

Opto-Kompressor: Hier übernimmt ein Fotowiderstand die Steuerung. Prinzipbedingt gibt es dabei recht langsame Regelzeiten. Einstellbar ist meist nur der Eingangspegel, der sowohl den Threshold als auch die Stärke der Kompression bestimmt. Der Opto-Kompressor zeichnet sich durch einen sehr „musikalischen“ Sound aus. Beispiel: Teletronix LA-2A, Tube-Tec CL 2A.

Vari-Mu-Kompressor: Dies ist ein Röhrenkompressor mit starker Klangfärbung. Beispiel: Fairchild 670, Manley Vari Mu.

Einsatz im Mastering

Der Kompressor sorgt für eine Verdichtung des Signals, der Dynamikumfang wird verringert. Das kann hilfreich sein, wenn die Gesamtdynamik des Stücks zu groß ist. Es kann ebenfalls bewirken, das Ausgangssignal kompakter erscheinen zu lassen, wobei einzelne Elemente und Musikbestandteile mehr zusammengeschweißt werden. Dadurch lassen sich Instrumente oder Stimmen, die vorher etwas herausstechend waren, besser in den Gesamtklang einbetten; das gesamte Klangbild wird dadurch homogener.

Durch entsprechende Wahl der Zeitkonstanten kann das Impulsverhalten beeinflusst werden. Eine schnelle Attacktime regelt Transienten herunter, während diese bei einer längeren Attacktime ohne Beeinflussung bleiben und durch die Pegelanhebung des Makeup am Ausgang lauter sind. Das kann bei zu starker Anhebung zu Übersteuerungen führen. Es lassen sich so aber die Attacks betonen, das Ausgangssignal wird somit knackiger.

Eine schnelle Releasetime sorgt dafür, dass das Signal schnell wieder in den linearen Bereich kommt. Mit entsprechender Makeup-Gain wird so auch schnell wieder der Pegel angehoben, das Signal wird insgesamt lauter erscheinen, da nur kurze Spitzen im Pegel reduziert werden. Bei einer langsamen Releasetime dauert es entsprechend länger, bis das Signal wieder in den linearen Bereich kommt. Dadurch wird der Ausgangspegel insgesamt leiser sein. Mit entsprechenden Einstellungen bei der Releasetime kann man auch Pump-Effekte erzeugen (die dann entweder störend oder auch gewünscht sein können).

Im Mastering kann es durchaus sinnvoll sein, verschiedene Kompressoren hintereinander zu schalten. Jeder davon übernimmt dabei dann eine andere (Teil-) Aufgabe. Z.B arbeitet ein erster Kompressor mit entsprechenden Regelzeiten die Transienten heraus, ein folgender schweißt das Signal dann wieder mehr zusammen und sorgt für einen konstanten Pegel. Eine beliebte Technik ist das parallele Zumischen. Dem unbearbeiteten Original wird ein oft nur kleiner Anteil des mehr oder weniger stark komprimierten Signals beigemischt. Das sorgt dafür, dass die dynamischen Verhältnisse im Wesentlichen beibehalten werden, das Gesamtsignal aber dichter, lauter und – je nach Art der Bearbeitung – auch aggressiver und knackiger wird. Hierbei ist besonders auf phasengenaue Beimischung zu achten, vor allem dann, wenn zusätzlich zum Kompressor auch noch andere Klangbearbeitungen (z.B. EQ) zum Einsatz kommen. In manchen Kompressorschaltungen gibt es schon direkt die Möglichkeit das Originalsignal anteilig zuzumischen.

Teil 1: Dynamikbearbeitung im MasteringÜbersicht

Dynamikbearbeitung im Mastering – Teil 1: Übersicht

Was ist überhaupt Dynamik und was bedeutet sie für das Mastering?

Dynamik in der Musik ist ein Ausdrucksmittel der Lautstärke. Bei der Aufnahme und Wiedergabe von Musik soll im besten Fall die gesamte dynamische Bandbreite genutzt werden, soweit dies möglich ist, wobei hier sowohl die technischen Gegebenheiten (Medium, Bandbreite, akustische Umgebung, usw.) als auch klangästhetische Vorgaben und Hörgewohnheiten eine Rolle spielen. Der Dynamikumfang  eines Audiosignals beschreibt den Bereich zwischen seiner leisesten und lautesten Stelle, er ist immer relativ.

In der Regel wird der Dynamikverlauf eines Musikstückes im Mix festgelegt. Oftmals muss der Dynamikumfang im Mastering aber noch verändert werden. In manchen Fällen ist die Gesamtdynamik zu groß, um sie sinnvoll wiedergeben zu können (abhängig vom Musikstil und Verwendungszweck: eine Klassikproduktion für eine Super-Audio-CD hat einen anderen Dynamikumfang als ein Techno-Titel im Streaming).

Ein anderer Grund wäre, dass das Verhältnis der Einzelteile (z.B. Strophe/Refrain oder Intro/Rest vom Stück) eines Titels in sich nicht stimmig genug ist oder im Vergleich zu anderen Titeln nicht passt. In solchen Fällen kann man schon durch leichte Pegelanpassungen (Normalisieren, Intro leiser, o.ä.) eine bessere Ausgewogenheit erreichen, wenn nötig auch dynamisch (Automatisation der Lautstärke). Aber da man im digitalen Bereich nicht über 0 dBFS hinausgehen kann, sind hier natürlich Grenzen gesetzt.

Auch besondere Klangvorstellungen können für eine spezielle Dynamikbearbeitung ausschlaggebend sein, da jeder Bearbeitungsschritt und jedes dafür verwendete Gerät klangliche Eigenheiten hat und sie dem Stück aufprägen kann. Besondere Mastering-Prozessoren sind oft auch gar nicht im Mixstudio vorhanden.

Außerdem haben sich über die Jahre auch die Hörgewohnheiten verändert. Viele aktuelle Produktionen erscheinen lauter und teilweise auch weniger dynamisch als früher zu. Das Mastering als letzter Schritt der Produktionskette sollte auch diesen Umstand berücksichtigen, sei es in der Anpassung daran (um konkurrenzfähig zu sein) oder auch ganz bewusst entgegen gerichtet (um z.B. dem Loudness-War gegen zu steuern).

Wie bearbeitet man die Dynamik im Mastering?

Die Dynamikbearbeitung erfolgt mit speziellen Regelverstärkern (Hard- und Software, analog oder digital). Man unterscheidet zwischen 5 Bearbeitungsstufen oder Pegelbereichen:

  • Limiting: das Ausgangssignal kann einen festgelegten Wert nicht überschreiten.
  • Kompression: das Ausgangssignal wird in einem festgelegten Verhältnis zum Eingangssignal leiser geregelt.
  • linearer Bereich: Eingangssignal = Ausgangssignal
  • Expansion: das Ausgangssignal wird in einem festgelegten Verhältnis zum Eingangssignal lauter geregelt.
  • Gating: das Ausgangssignal wird unterhalb eines festgelegten Wertes ausgeblendet.
Kennlinien Regelverstärker

Folgende Parameter findet man häufig in diesen Dynamikprozessoren:

  • Threshold (Schwellwert): der Pegel, ab dem die Bearbeitung einsetzt.
  • Ratio: das Verhältnis von Eingangs- zu Ausgangssignal, bestimmt die Stärke der Änderung. Bei einer Ratio von 2:1 wird ein Eingangspegel von 10 dB oberhalb des Thresholds am Ausgang nur noch mit 5 dB ausgegeben. Bei der Expansion geschieht alles genau umgekehrt. Eine Ratio von 1:2 bedeutet dann, dass 10 dB unterhalb des Thresholds am Eingang zu 20 dB am Ausgang werden.
  • Attacktime: legt die Zeit fest, in der nach Überschreiten des Thresholdwertes die Regelung einsetzt.
  • Releasetime: legt die Zeit fest, in der die Regelung wieder zurückgeht, nachdem der Threshold wieder unterschritten wurde.
  • Makeup-Gain: Verstärkung am Ausgang, um den Pegelunterschied vor und nach der Bearbeitung auszugleichen.

Ausblick

In den folgenden Teilen werden wir uns die verschiedenen Bauarten und Ausführungen (Kompressor, Limiter, Expander und Gate, aber auch frequenzabhängige Dynamikprozessoren wie den De-Esser, sowie Multiband-Kompressoren) im Einzelnen anschauen und ihre Anwendung im Mastering beschreiben.

Teil 2: Dynamikbearbeitung im Mastering – Der Kompressor

Öffnungszeiten zum Jahreswechsel

Auch im Jahr 2020 war es uns eine Freude für euch alle weiter da zu sein. Wir sind dankbar, dass wir weiter arbeiten konnten und dass uns so viele jedes Jahr erneut ihr Vertrauen schenken. Zum Jahreswechsel werden wir wie üblich ein paar Tage zu machen, aber nicht traurig sein, für eilige Projekte stehen wir dank unserer neuen Home-Office-Lösungen auch weiter zur Verfügung.

Vom 20.12. bis 23.12 und vom 27.12. bis 31.12. sind wir nur eingeschränkt erreichbar, unsere übliche Mail-Adresse wird täglich auf Anfragen überprüft, die Kontakt-Dauer kann aber natürlich etwas länger dauern als üblich. Bei ganz zeitkritischen Anfragen einfach über die bekannten Handynummern kurz Bescheid geben, es findet sich wie üblich immer eine Lösung 😉 Und ab 3.1.2021 sind wir wieder ganz normal für euch da und freuen uns auf ein tolles Jahr 2021 mit euch allen.

Über die Weihnachtsfeiertage und an Neujahr haben wir dann aber Zeit für unsere Liebsten reserviert und wünschen all unseren Kund*innen eine mindestens genauso erholsame und ruhige Zeit, bleibt alle gesund, erholt euch, sammelt neue Kräfte. Wir freuen uns auf alle zukünftigen Projekte mit euch!

Euer MM Sound Team
Matthias und Arne 😉

Der EQ im Mastering – Teil 4: Cut, Notch und Niveau

Bei diesen Filtern handelt es sich um Spezialisten für besondere Anwendungsgebiete, nichts desto trotz werden auch sie im Mastering von Zeit zu Zeit verwendet. Generell beginnt man beim Einsatz von klangbeeinflussenden Mitteln stets mit möglichst subtilen Änderungen, da man verhindern möchte durch das Lösen eines Problems viele weitere zu schaffen. Sehr „flächige“ bzw. weitreichende Eingriffe sollten dabei stets mit Bedacht gewählt und mit äußerster Sorgfalt überprüft werden, auch wenn sie ggf. für die Einstellung der grundlegenden Klangbalance erforderlich sind.

Cut

Filterkurve eines typischen Low-Cut / Highpass-Filter
typischer Low-Cut / Highpass-Filter

Beim Cut Filter (auch Passfilter) gibt es im Wesentlichen zwei Parameter: Zum einen gibt es die Einsatzfrequenz, also die Frequenz, bei der eine Absenkung um 3dB zum Tragen kommt. Der zweite wichtige Parameter ist die Flankensteilheit (in dB pro Oktave), die angibt, wie intensiv das Filter wirkt. Gängige Flankensteilheiten sind 6dB/Okt.; 12dB/Okt., sowie 24dB/Okt. Bei einem Lowcut-Filter (entspricht Highpass-Filter) mit 6dB/Okt. und einer Einsatzfrequenz von 50Hz hat man zum Beispiel eine Oktave drunter, also bei 25Hz eine Absenkung von 9dB. Zu beachten ist auch, dass vor allem bei Filtern mit größerer Flankensteilheit ein sog. Überschwingen (also eine Anhebung oberhalb der Einsatzfrequenz) durchaus üblich ist.

Low-Cut / Highpass-Filter mit deutlichem Überschwingen oberhalb der Einsatzfrequenz
Low-Cut / Highpass-Filter mit deutlichem Überschwingen oberhalb der Einsatzfrequenz

Die Hauptaufgabe von Cut-Filtern ist im Mix und im Mastering die gleiche, sie eignen sich ideal, um auf Frequenzebene „aufzuräumen“. Ist eine Mischung beispielsweise sehr dröhnend oder wummernd im Bassbereich und sind hier vor allem tiefe Spiel- und Störgeräusche ausschlaggebend, kann ein sehr tief angesetzter (deutlich unterhalb der Resonanzfrequenz der Basedrum) Low-Cut zu schnellem Erfolg führen. Ebenso kann ein High-Cut bei zu vielen Höheninformationen und Rauschen schnelle Abhilfe schaffen. Hier ist natürlich stets genauestens zu prüfen, ob man eventuell wichtige musikalische Informationen (Raumanteile, Luftigkeit, etc.) mit eliminiert und ggf. abzuwägen, welchem Effekt man klanglich den Vorzug gibt. Gerade gegen Rauschen gibt es potentere Hilfsmittel, die den Klang weniger beeinflussen.
Es ist auch möglich mit einem solchen Filter gezielt Gleichstromanteile auszufiltern, wie im Artikel [link]DC-Offset im Mastering [/link] beschrieben.

Notch

typische Filterkurve eines einzelnen Notch-Filters
typische Filterkurve eines einzelnen Notch-Filters

Das Notch-Filter ist vom Prinzip her ein Bell-Filter mit extrem hohem Q-Faktor, der wichtigste Parameter ist die Wirkfrequenz. In einer idealen Welt versucht man mit einem Notch-Filter genau eine Frequenz zu unterdrücken, er ist also ein „Problemlöser“ zur schmalbandigen Störfrequenzunterdrückung und nicht unbedingt von musikalischem Nutzen.

mehrere Notch-Filter, abgestimmt auf eine Grundfrequenz (150 Hz) und ihre erste und zweite Harmonische (300Hz und 450Hz)
mehrere Notch-Filter, abgestimmt auf eine Grundfrequenz (150 Hz) und ihre erste und zweite Harmonische (300Hz und 450Hz)

Das kann hilfreich sein, wenn man durch elektrische/technische Einstreuungen eine einzelne, möglichst konstante Störfrequenz auf den Spuren hat, die es irgendwie in den finalen Mix geschafft hat. Beispiele wären hier das 15 625Hz Horizontalfrequenz -Piepsen alter Röhrenbildschirme, aber auch 50Hz Netzbrummen. Auch die Einstreuung von Schaltnetzteilen (z.B. von Laptops) können im hörbaren Bereich liegen und somit negativ im Master auffallen, ein statisches Notch-Filter schafft in diesem Fall allerdings nur dann Abhilfe, wenn die Frequenz konstant bleibt. (Da die Frequenz bei dieser Einstreuung allerdings häufig variiert, kann so eine Einstreuung schnell zu einer langwierigen Aufgabe werden, die verschiedene Werkzeuge und einiges an Automatisationsaufwand zur Reparatur benötigt).
Generell sollte man bei all diesen Einstreuungen auch die Harmonischen kontrollieren, während bei Röhrenbildschirmen bereits die erste Harmonische mit über 31kHz außerhalb des Hörbereichs liegt, gibt es beim Netzbrummen noch einige Teiltöne im hörbaren Spektrum (100Hz, 150Hz, …)

Niveau

Das Niveau-Filter ist im Grundsatz ein Verbund aus einem Low-Shelv und einem High-Shelv, bei denen die Gainwerte in entgegengesetzter Weise gleichzeitig verändert werden, eine Anhebung beim High-Shelv führt gleichzeitig zu einer Absenkung im Low-Shelv und umgekehrt.   Interessant sind vor allem die Parameter Gain (also, wie stark in welche Richtung das Spektrum gekippt wird) und die Mittenfrequenz (um die herum gekippt wird).

Niveau-Filter mit einer Mittenfreuqenz bei 300Hz
Niveau-Filter mit einer Mittenfreuqenz bei 300Hz

Das Niveau-Filter ist eine Möglichkeit sehr schnell und sehr musikalisch die Klangbalance im Mastering zu beeinflussen und in eine angenehme, der Klangästhetik entsprechende Richtung zu bringen [hierzu auch das Kapitel Klangbalance aus dem zweiten Teil], ohne dass man einen Frequenzbereich extrem überfahren oder ausdünnen muss, da die entgegen gerichtete Bearbeitung  im „Komplementärbereich“ die gewünschte Bearbeitung auch bei minimalen Einstellungen schon sehr wirksam werden lässt.  Das Niveau-Filter ist also ein Werkzeug, welches man sehr früh im Mastering-Prozess einsetzen kann, wenn man die grundlegende Klangbalance einstellt, von der ausgehend man danach Problemzonen und Dynamik bearbeitet. Häufig lösen sich durch das Einstellen einer angenehmen Klangbalance auch schon einige Problemzonen mit auf, sodass das Filter deutlich Arbeitszeit ersparen kann.

Teil 1: Übersicht, was gibt es für EQs
Teil 2: Das Bell-Filter
Teil 3: Das Shelv-Filter

Ausblick

In den nächsten Teilen wollen wir uns mehr in Richtung Dynamik (Kompressor, Limiter etc.) bewegen, bevor es dann an die kombinierten Werkzeuge geht.

Dateigrößen Kalkulator

Da bei der immer mobiler werdenden Arbeitswelt vor allem in der Medien und Kultur Datenvolumen und damit Dateigrößen immer noch eine Rolle spielen, haben wir hier den Versuch ein kleines, mobil nutzbares Tool zur Verfügung zu stellen, mit dem ihr Dateigrößen für’s Mastering leichter abschätzen könnt. Viel Spaß und Erfolg beim rumspielen.

Der EQ im Mastering – Teil 3: Das Shelf-Filter

Das Shelf-Filter wird im Deutschen auch als „Kuhschwanz-Filter“ bezeichnet, was mit der charakteristischen Kurvenform zu tun hat, die an einen Kuhschwanz erinnert. Shelf-Filter sind relativ einfach konzipiert, da sie lediglich im Frequenzbereich unterhalb (Low-Shelf) oder oberhalb (High-Shelf) der gewählten Einsatzfrequenz arbeiten. Historisch gesehen waren sie mit die ersten klangbeeinflussenden Bauteile und dienten zum groben Anpassen der Klangquellen.

Low- und High-Shelv
Links ein Low-Shelv bei 100 Hz mit einer Anhebung von 15dB (nicht zwingend typisch für Mastering, aber der Visualisierung zuträglich). Rechts ein High-Shelv bei 5kHz mit einer Absenkung von -15dB.

Ausführungen

Man muss hier in der Bauform unterscheiden, ob die Flankensteilheit über den Q-Faktor regelbar ist oder nicht. Bei einfachen Ausführungen wird lediglich über die Frequenz der Einsatzpunkt des Filters festgelegt. Bei analogen Geräten oder auch bei speziell für das Mastering ausgelegten digitalen EQs sind die Frequenzen oftmals in bestimmten Abstufungen gerastert, auch wegen der besseren Reproduzierbarkeit. Ebenso sind diese Einsatzfrequenzen oft auf die angedachten Einsatzgebiete beschränkt (Low-Shelf -> hauptsächlich tiefe Frequenzen, High-Shelf -> eher hohe Frequenzen).

Beim Low-Shelf-Filter kann nun über den Gain-Parameter eine Anhebung oder Absenkung unterhalb dieser Einsatzfrequenz definiert werden. Umgekehrt bewirkt eine Veränderung des Gain beim High-Shelf-Filter entsprechend eine Beeinflussung der Frequenzen oberhalb der Einsatzfrequenz. Damit kann man zwar nur relativ grob, aber doch effektiv und schnell den Frequenzverlauf des Signals anpassen.

Einige – besonders digitale – EQs besitzen daneben noch die Möglichkeit den Q-Faktor einzustellen. Dieser stellt auch beim Shelf-Filter die Flankensteilheit dar, also Q = fm / B (siehe auch Bell-Filter). Hier bewirkt allerdings eine große Flankensteilheit (hoher Q-Faktor) eine Überhöhung der Verstärkung/Absenkung (Resonanz) um die Einsatzfrequenz verbunden mit einer gegenläufigen Absenkung oberhalb bzw. Anhebung unterhalb davon, was durchaus gewollt ist um z.B. den Frequenzverlauf bestimmter analoger Schaltungen nachempfinden zu können.

Low- und High-Shelv in Resonant-Form
Filter 1 ist ein Low-Resonant-Shelv mit einer Anhebung unterhalb seiner Frequenz und einer leichten Absenkung oberhalb. Filter 7 ist ein High-Resonant-Shelv mit einer Absenkung oberhalb der eingestellten Frequenz und einer leichten Überhöhung unterhalb.

Einsatz des Shelf-Filters im Mastering

Das Shelf-Filter eignet sich in erster Linie dazu eine generelle Klangbalance vorzunehmen. Dafür lässt sich mit Anpassungen im tief- und hochfrequenten Bereich schnell eine grundlegende Richtung festlegen (z.B. „mehr Bass“). Eine solche Anhebung im tieffrequenten Bereich kann mehr Druck bewirken, während hochfrequentes Anheben für Luftigkeit sorgt (sog. „Air-Band“).

Feinanpassungen sind besser mit dem Bell-Filter realisierbar. Ebenso eignet sich das Shelf-Filter nur bedingt zur Unterdrückung von Störgeräuschen, es sei denn diese sind breitbandig und am oberen oder unteren Ende des Frequenzspektrums. Aufgrund der Beschränkung auf wenige Parameter eignet sich das Shelf-Filter dagegen gut für schnelle Anpassungen der tiefen und hohen Frequenzen. Die weitergehenden Möglichkeiten der Kurveneinstellung mittels Q-Faktor können gezieltere Klanganpassungen ermöglichen. Hier kann man sich unter Umständen einen Bell-Filter einsparen bzw. werden hiermit Frequenzverläufe möglich, die man mit Bell-Filtern nur sehr aufwendig nachbauen könnte.

Auf jeden Fall kann es hilfreich sein, Klangvergleiche zwischen ähnlichen Einstellungen mit Shelf-Filtern und Kombinationen aus Shelf- und Bell-Filtern vorzunehmen. Jedes Material ist anders und reagiert unterschiedlich auf die Filtereinstellungen. Erlaubt ist, was gefällt bzw. was klanglich besser passt.

Teil 1: Übersicht, was gibt es für EQs
Teil 2: Das Bell-Filter
Teil 4: Cut, Notch und Niveau

MM Sound in der S&R

Für diejenigen, die sich ein bisschen mehr für unser Studio und den allgemeinen „Mastering-Talk“ interessieren, gibt es jetzt in der aktuellen Ausgabe der Sound & Recording (Ausgabe 3/2020) einen Artikel mit und über uns, den wir euch wärmstens empfehlen können. Bisher ist er in der Printausgabe zu finden, die voll mit nützlichen und interessanten Dingen ist, ob er später auch online lesbar sein wird, weiß ich noch nicht, falls so, werde ich ihn noch verlinken.

Hier erst einmal ein Link zum Shop, um die Ausgabe zu beziehen: https://www.soundandrecording.de/shop/sound-recording-03-2020/

Und hier nun der Link direkt zum Artikel:
https://www.soundandrecording.de/stories/mm-sound-mastering-studio/

(Achtung, durch anklicken eines dieser Links verlasst ihr das Online-Angebot von MM Sound, auf den Inhalt der verlinkten Seite haben wir keinen Einfluss. Wir überprüfen unsere Links im Rahmen unserer Möglichkeiten. Sollten anstößige Inhalte auf einer von uns verlinkten Seite zu finden sein, schreiben sie uns bitte eine Mail)

Mastering Workshop Februar 2020

Es wird wieder einen Mastering-Workshop geben, dabei lernt ihr die Grundzüge des Masterings, den Workflow und die Masteringwerkzeuge an praktischen Beispielen kennen und verstehen. Gerne darf eigenes Material mitgebracht werden, das dann gemeinsam vor Ort gemastert wird. Nach einer anfänglichen Einführung dürft ihr schnell auch selbst Hand ans Mastering anlegen und erhaltet dabei viele wertvolle Tipps von den Profis.

Der Workshop findet bei MM Sound in der Arnsbergstr. 12 in 33803 Steinhagen am 29.2.20 von 11:00 bis 17:00 statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 5-8 beschränkt. Da es vor Ort keine direkten Einkaufsmöglichkeiten gibt wird gebeten sich für Mittags selbst zu versorgen. Die Teilnahmegebühr beträgt 149,-€ (zzgl. UmSt). Anmeldung unter

Masteringworkshop MM Sound
Mastering-Workshop 2019: Alle Teilnehmer hören gespannt zu.

Öffnungszeiten zum Jahreswechsel

MM Sound Digital Mastering Studio GmbH

MM Sound hat zwischen den Jahren von 23.12.19 bis einschließlich 1.1.20 geschlossen, ab 2.1.20 sind wir wieder für euch da. Für dringende Fälle stehen wir unregelmäßig über die bekannten Mobilkontakte zur Verfügung.

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