Dynamikbearbeitung im Mastering – Teil 2: Der Kompressor

Funktionsweise

Der Kompressor ist das Standardwerkzeug zur Dynamikbearbeitung. Dabei ermittelt ein Hüllkurvendetektor aus dem Eingangssignal eine Steuerspannung, die wiederum mittels eines Verstärkers das Ausgangssignal regelt. Der Pegel des Eingangssignals wird nach dem Überschreiten des Threshold im Verhältnis der eingestellten Ratio reduziert, kann dann aber mit dem Makeup-Gain wieder angehoben werden. Erreicht wird damit, dass die leiseren Signalanteile am Ausgang lauter ausgegeben werden, der gesamte Dynamikumfang wird somit verringert. Die Zeitkonstanten bestimmen die Ansprechgeschwindigkeit. Der Einsatzzeitpunkt für das Release kann bei manchen Kompressoren um die Hold-Time verlängert werden. Die eingestellte Kompression wird also auch nach dem Unterschreiten des Thresholds noch für eine bestimmte Zeit beibehalten.

Eine Besonderheit bei manchen Kompressoren ist die Soft-Knee-Charakteristik, die für ein sanfteres Ansprechen sorgt. Hierbei setzt die Kompression nicht erst beim Überschreiten des Thresholds ein, sondern in der Regel schon etwas früher, dafür aber nicht mit dem vollen eingestellten Ratio-Wert. Die Kennlinie der Kompression ist dann um den Threshold herum nicht hart abgeknickt, sondern verläuft in einer sanften Kurve. Die Regelvorgänge werden damit sanfter abgefangen, das Ergebnis klingt organischer.

Verhalten des Ausgangspegels in Relation zum Eingangspegel über die Zeit.

Kompressorschaltungen

Bauartbedingt hat jede analoge Kompressorschaltung unterschiedliche klangliche Eigenschaften, die auch digital entsprechend nachgebildet werden können. Die wesentlichen Unterschiede betreffen meist die Verstärkerschaltung, aber auch die Ansteuerung. Man unterscheidet hierbei folgende Typen:

VCA-Kompressor: ein spannungsgesteuerter Verstärker (VCA = voltage controlled amplifier) regelt die Bearbeitung. Klanglich ist dieser Typ eher neutral. Beispiel: SSL-Buscompressor, dbx 160A.

FET-Kompressor: Regelelement ist ein Feldeffekt-Transistor, mit dem sehr schnelle Regelvorgänge möglich sind. Oft wird der Threshold über den Eingangspegel eingestellt. Der FET-Kompressor besitzt meist stärker färbende Klangeigenschaften. Beispiel: Urei 1176, Drawmer 1974.

Opto-Kompressor: Hier übernimmt ein Fotowiderstand die Steuerung. Prinzipbedingt gibt es dabei recht langsame Regelzeiten. Einstellbar ist meist nur der Eingangspegel, der sowohl den Threshold als auch die Stärke der Kompression bestimmt. Der Opto-Kompressor zeichnet sich durch einen sehr „musikalischen“ Sound aus. Beispiel: Teletronix LA-2A, Tube-Tec CL 2A.

Vari-Mu-Kompressor: Dies ist ein Röhrenkompressor mit starker Klangfärbung. Beispiel: Fairchild 670, Manley Vari Mu.

Einsatz im Mastering

Der Kompressor sorgt für eine Verdichtung des Signals, der Dynamikumfang wird verringert. Das kann hilfreich sein, wenn die Gesamtdynamik des Stücks zu groß ist. Es kann ebenfalls bewirken, das Ausgangssignal kompakter erscheinen zu lassen, wobei einzelne Elemente und Musikbestandteile mehr zusammengeschweißt werden. Dadurch lassen sich Instrumente oder Stimmen, die vorher etwas herausstechend waren, besser in den Gesamtklang einbetten; das gesamte Klangbild wird dadurch homogener.

Durch entsprechende Wahl der Zeitkonstanten kann das Impulsverhalten beeinflusst werden. Eine schnelle Attacktime regelt Transienten herunter, während diese bei einer längeren Attacktime ohne Beeinflussung bleiben und durch die Pegelanhebung des Makeup am Ausgang lauter sind. Das kann bei zu starker Anhebung zu Übersteuerungen führen. Es lassen sich so aber die Attacks betonen, das Ausgangssignal wird somit knackiger.

Eine schnelle Releasetime sorgt dafür, dass das Signal schnell wieder in den linearen Bereich kommt. Mit entsprechender Makeup-Gain wird so auch schnell wieder der Pegel angehoben, das Signal wird insgesamt lauter erscheinen, da nur kurze Spitzen im Pegel reduziert werden. Bei einer langsamen Releasetime dauert es entsprechend länger, bis das Signal wieder in den linearen Bereich kommt. Dadurch wird der Ausgangspegel insgesamt leiser sein. Mit entsprechenden Einstellungen bei der Releasetime kann man auch Pump-Effekte erzeugen (die dann entweder störend oder auch gewünscht sein können).

Im Mastering kann es durchaus sinnvoll sein, verschiedene Kompressoren hintereinander zu schalten. Jeder davon übernimmt dabei dann eine andere (Teil-) Aufgabe. Z.B arbeitet ein erster Kompressor mit entsprechenden Regelzeiten die Transienten heraus, ein folgender schweißt das Signal dann wieder mehr zusammen und sorgt für einen konstanten Pegel. Eine beliebte Technik ist das parallele Zumischen. Dem unbearbeiteten Original wird ein oft nur kleiner Anteil des mehr oder weniger stark komprimierten Signals beigemischt. Das sorgt dafür, dass die dynamischen Verhältnisse im Wesentlichen beibehalten werden, das Gesamtsignal aber dichter, lauter und – je nach Art der Bearbeitung – auch aggressiver und knackiger wird. Hierbei ist besonders auf phasengenaue Beimischung zu achten, vor allem dann, wenn zusätzlich zum Kompressor auch noch andere Klangbearbeitungen (z.B. EQ) zum Einsatz kommen. In manchen Kompressorschaltungen gibt es schon direkt die Möglichkeit das Originalsignal anteilig zuzumischen.

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