Der EQ im Mastering – Teil 3: Das Shelf-Filter

Das Shelf-Filter wird im Deutschen auch als „Kuhschwanz-Filter“ bezeichnet, was mit der charakteristischen Kurvenform zu tun hat, die an einen Kuhschwanz erinnert. Shelf-Filter sind relativ einfach konzipiert, da sie lediglich im Frequenzbereich unterhalb (Low-Shelf) oder oberhalb (High-Shelf) der gewählten Einsatzfrequenz arbeiten. Historisch gesehen waren sie mit die ersten klangbeeinflussenden Bauteile und dienten zum groben Anpassen der Klangquellen.

Low- und High-Shelv
Links ein Low-Shelv bei 100 Hz mit einer Anhebung von 15dB (nicht zwingend typisch für Mastering, aber der Visualisierung zuträglich). Rechts ein High-Shelv bei 5kHz mit einer Absenkung von -15dB.

Ausführungen

Man muss hier in der Bauform unterscheiden, ob die Flankensteilheit über den Q-Faktor regelbar ist oder nicht. Bei einfachen Ausführungen wird lediglich über die Frequenz der Einsatzpunkt des Filters festgelegt. Bei analogen Geräten oder auch bei speziell für das Mastering ausgelegten digitalen EQs sind die Frequenzen oftmals in bestimmten Abstufungen gerastert, auch wegen der besseren Reproduzierbarkeit. Ebenso sind diese Einsatzfrequenzen oft auf die angedachten Einsatzgebiete beschränkt (Low-Shelf -> hauptsächlich tiefe Frequenzen, High-Shelf -> eher hohe Frequenzen).

Beim Low-Shelf-Filter kann nun über den Gain-Parameter eine Anhebung oder Absenkung unterhalb dieser Einsatzfrequenz definiert werden. Umgekehrt bewirkt eine Veränderung des Gain beim High-Shelf-Filter entsprechend eine Beeinflussung der Frequenzen oberhalb der Einsatzfrequenz. Damit kann man zwar nur relativ grob, aber doch effektiv und schnell den Frequenzverlauf des Signals anpassen.

Einige – besonders digitale – EQs besitzen daneben noch die Möglichkeit den Q-Faktor einzustellen. Dieser stellt auch beim Shelf-Filter die Flankensteilheit dar, also Q = fm / B (siehe auch Bell-Filter). Hier bewirkt allerdings eine große Flankensteilheit (hoher Q-Faktor) eine Überhöhung der Verstärkung/Absenkung (Resonanz) um die Einsatzfrequenz verbunden mit einer gegenläufigen Absenkung oberhalb bzw. Anhebung unterhalb davon, was durchaus gewollt ist um z.B. den Frequenzverlauf bestimmter analoger Schaltungen nachempfinden zu können.

Low- und High-Shelv in Resonant-Form
Filter 1 ist ein Low-Resonant-Shelv mit einer Anhebung unterhalb seiner Frequenz und einer leichten Absenkung oberhalb. Filter 7 ist ein High-Resonant-Shelv mit einer Absenkung oberhalb der eingestellten Frequenz und einer leichten Überhöhung unterhalb.

Einsatz des Shelf-Filters im Mastering

Das Shelf-Filter eignet sich in erster Linie dazu eine generelle Klangbalance vorzunehmen. Dafür lässt sich mit Anpassungen im tief- und hochfrequenten Bereich schnell eine grundlegende Richtung festlegen (z.B. „mehr Bass“). Eine solche Anhebung im tieffrequenten Bereich kann mehr Druck bewirken, während hochfrequentes Anheben für Luftigkeit sorgt (sog. „Air-Band“).

Feinanpassungen sind besser mit dem Bell-Filter realisierbar. Ebenso eignet sich das Shelf-Filter nur bedingt zur Unterdrückung von Störgeräuschen, es sei denn diese sind breitbandig und am oberen oder unteren Ende des Frequenzspektrums. Aufgrund der Beschränkung auf wenige Parameter eignet sich das Shelf-Filter dagegen gut für schnelle Anpassungen der tiefen und hohen Frequenzen. Die weitergehenden Möglichkeiten der Kurveneinstellung mittels Q-Faktor können gezieltere Klanganpassungen ermöglichen. Hier kann man sich unter Umständen einen Bell-Filter einsparen bzw. werden hiermit Frequenzverläufe möglich, die man mit Bell-Filtern nur sehr aufwendig nachbauen könnte.

Auf jeden Fall kann es hilfreich sein, Klangvergleiche zwischen ähnlichen Einstellungen mit Shelf-Filtern und Kombinationen aus Shelf- und Bell-Filtern vorzunehmen. Jedes Material ist anders und reagiert unterschiedlich auf die Filtereinstellungen. Erlaubt ist, was gefällt bzw. was klanglich besser passt.

Teil 1: Übersicht, was gibt es für EQs
Teil 2: Das Bell-Filter
Teil 4: Cut, Notch und Niveau

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